Zum Inhalt springen

nietzsche und sokrates

Nietzsche deutet mit einer phantasievollen Entstehungshypothese das schlechte und damit das ganze Gewissen als Krankheitserscheinung. Jener consensus sapientium – das begriff ich immer besser – beweist am wenigsten, daß sie recht mit dem hatten, worüber sie übereinstimmten: er beweist vielmehr, daß sie selbst, diese Weisesten, irgendworin physiologisch übereinstimmten, um auf gleiche Weise negativ zum Leben zu stehn – stehn zu müssen. Bei ihm wird der Instinkt zum Kritiker, das Bewußtsein zum Schöpfer. Jetzt konnte er auch den Mythus freier gestalten, weil er durch den Prolog jeden Zweifel über seine Gestaltung des Mythus heben konnte. Sokrates gewann in besonderen Lagen, wo sein Verstand zweifelhaft wurde, einen festen Anhalt durch eine wunderbar sich äußernde dämonische Stimme. War Sokrates ein typischer Verbrecher? Man weiß ja alles, was geschehen ist, was geschehen wird? Unglück aber, durch Rechenfehler herbeigeführt, ist bereits mehr ein Lustspielmotiv. – Aber ich komme auf das Problem des Sokrates zurück. Vortrag von Nietzsche im Basler Museumgehalten am 1. Das Wesen des platonischen Kunstwerks, des Dialogs ist aber die durch Mischung aller vorhandnen Formen und Stile erzeugte Formlosigkeit und Stillosigkeit. – Es ist ein Selbstbetrug seitens der Philosophen und Moralisten, damit schon aus der décadence herauszutreten, daß sie gegen dieselbe Krieg machen. Diesen aber hatte er auf den Zuschauerbänken des Theaters gewonnen. Nietzsche will nun aber nicht nur Geburt und Leben, sondern auch Tod und Untergang der griechischen Tragödie beschreiben. Kunst/Nietzsche/Danto: das Misstrauen dem Künstlergegenüber, das Nietzsche an Sokrates kritisiert hatte, vertritt er später allerdings selber. Euripides suchte es eben besser zu machen als die von ihm beurtheilten Dichter: und wer nicht, wie er, die That hinter das Wort stellen kann, der hat wenig Anrecht darauf, sich öffentlich kritisch vernehmen zu lassen. Sokrates.. — Wenn alles gut geht, wird die Zeit kommen, da man, um sich sittlich-vernünftig zu fördern, lieber die Memorabilien des Sokrates in die Hand nimmt als die Bibel, und wo Montaigne und Horaz als Vorläufer und Wegweiser zum Verständnis des einfachsten und unvergänglichsten Mittler-Weisen, des Sokrates, benutzt werden. Die gleiche Art von Degenereszenz bereitete sich überall im Stillen vor: das alte Athen ging zu Ende. Wohin kam dies, wer nahm mir das?". In der aeschyleisch-sophokleischen Tragödie war es meistens sehr kunstvoll eingerichtet, daß in den ersten Scenen dem Zuschauer gewissermaßen zufällig alle jene zum Verständniß nothwendigen Fäden in die Hände gegeben wurden; es zeigte sich auch in diesem Zuge jene edle Künstlerschaft, die das Nothwendige, Formelle gleichsam maskirt. Bei ihm ist eine ethische Weisheit zu finden, daß ihr gegenüber der Sokratismus etwas vorlaut und altklug erscheint. Thorwaldsen jenen antiken Schein giebt, daß er wenig reflektierte und schlecht sprach und schrieb, daß ihm die eigentliche künstlerische Weisheit nicht ins Bewußtsein getreten war. Der Fanatismus, mit dem sich das ganze griechische Nachdenken auf die Vernünftigkeit wirft, verrät eine Notlage: man war in Gefahr, man hatte nur eine Wahl: entweder zugrunde zu gehn oder – absurd-vernünftig zu sein... Der Moralismus der griechischen Philosophen von Plato ab ist pathologisch bedingt: ebenso ihre Schätzung der Dialektik. Das Tiefste aber, was gegen Sokrates gesagt werden konnte, hat ein Traumbild ihm gesagt. Der Augenblick und der Witz sind seine höchsten Gottheiten; der fünfte Stand, der des Sklaven. Es ist dies die ernsteste Frage unserer Kunst: und wer als Germane den Ernst dieser Frage [+ + +], Zwei öffentliche Vorträge über die griechische Tragödie. Das Wort aus der bekannten Grabschrift "als Greis leichtsinnig und grillig" gilt auch vom greisen Hellenenthum. Wiederum eine Folge war es, daß die immer mehr eingeschränkte, in immer engere Grenzen getriebene Musik sich in der Tragödie nicht mehr heimisch fühlte, sondern außerhalb derselben als absolute Kunst sich freier und kühner entwickelte. rächt er sich an den Vornehmen, die er fasziniert? Der Verfall der Tragödie, wie ihn Euripides zu sehen glaubte, war eine sokratische Phantasmagorie: weil niemand die Weisheit der alten Kunsttechnik hinreichend in Begriffe und Worte umsetzen konnte, leugnete Sokrates und mit ihm der verführte Euripides jene Weisheit. August 1900 in Weimar) war ein deutscher klassischer Philologe. Um Euripides liegt dagegen ein modernen Künstlern eigenthümlicher gebrochener Schimmer: sein fast ungriechischer Kunstcharakter ist am kürzesten unter dem Begriff des Sokratismus zu fassen. ", "ich allein hab' jenen rings dergleichen Weisheit eingeimpft, indem Gedanken und Begriff der Kunst ich lieh: so daß denn hier jetzt jedermann philosophirt und Haus und Hof und Feld und Vieh so klug bestellt wie früher nie: stets forscht und sinnt Warum? Inspiriert von den Kupferstichen von Jacques Callot schreibt E. T. A. Hoffmann die Geschichte des wenig talentierten Schauspielers Giglio der die seltsame Prinzessin Brambilla zu lieben glaubt. Die Tragödie, aus der tiefen Quelle des Mitleidens entstanden, ist ihrem Wesen nach pessimistisch. Waren sie vielleicht allesamt auf den Beinen nicht mehr fest? Nur darf man bei dem Wort "Recensent" sich nicht von dem Eindrucke jener schwächlichen vorlauten Wesen bestimmen lassen, die unser heutiges Publikum in Sachen der Kunst gar nicht mehr zu Worte kommen lassen. Wenn man nötig hat, aus der Vernunft einen Tyrannen zu machen, wie Sokrates es tat, so muß die Gefahr nicht klein sein, daß etwas andres den Tyrannen macht. ): »Hier muß jedenfalls etwas wahr sein! –. Ja man kann sagen, daß bei Euripides der Dichter zum Halbgott geworden ist, nachdem derselbe durch ihn aus der Tragödie verbannt war. Was Nietzsche nun Sokrates vorwirft ist dies, dass gerade das Unbewusste schöpferisch und affirmativ wirke, während Sokrates in dem Moment, wo er seinem Verstande misstraute, einer wunderbaren Stimme gewahr wurde (sie ist der Titel dieses Blogs), die Sokrates als hindernden Dämon wahrnahm. [1] kommt, wenigstens der Gesinnung nach, jetzt zur Herrschaft. Im Nachdenken über diese Incongruenz zwischen dichterischer Absicht und Wirkung kam er allmählich auf eine Kunstform, deren Hauptgesetz war "es muß alles verständig sein, damit alles verstanden werden könne." Nichts kann unserer Bühnentechnik widerstrebender sein als der Prolog bei Euripides. – Wie? Der Sokratismus verachtet den Instinkt und damit die Kunst. – Wie? Man muß sein Recht zu erzwingen haben: eher macht man keinen Gebrauch von ihr. Additional Physical Format: Online version: Schmidt, Hermann Josef, 1939-Nietzsche und Sokrates. Die Wirkung der antiken Tragödie beruhte niemals auf der Spannung, auf der anreizenden Ungewißheit, was sich jetzt ereignen werde, vielmehr auf jenen großen breitgebauten Pathosscenen, in denen der musikalische Grundcharakter des dionysischen Dithyrambus wieder vorklang. Hermann Josef Schmidt - 1969 - Hain. In seinem wohl wichtigsten Werk „Also sprach Zarathustra“, die von dem fiktiven Propheten Zarathustra handelt, der beschließt, sein Asketentum bzw. und Sokrates war es auch? Diese Selbttötung führte der große Tragödiendichter Euripides aus– und kein anderer als Sokrates reichte ihm dazu den Dolch. München 1954, Band 2, S. 951-957. Das aber, was den Genuß solcher Scenen am stärksten erschwert, ist ein fehlendes Glied, eine Lücke im Gewebe der Vorgeschichte; so lange der Zuhörer noch ausrechnen muß, was diese und jene Person, was diese und jene Handlung für einen Sinn habe, ist seine volle Versenkung in das Leiden und Thun der Haupthelden, ist das tragische Mitleiden unmöglich. Der consensus sapientium beweist die Wahrheit.« – Werden wir heute noch so reden? Euripides – Sokrates – Nietzsche“, in: Jutta Georg / Claus Zittel (Hg. Manches Zufällige, vom Dichter gar nicht Betonte, traf die Masse mit plötzlicher Wirkung. Soll der Germane wirklich jenem entschwundenen Kunstwerk der Vergangenheit nichts anderes zur Seite stellen dürfen, als die "große Oper," ungefähr wie neben Herkules der Affe zu erscheinen pflegt? wackelig? Einsiedelei aufzugeben und das einfache Volk zu belehren, lässt Nietzsche diesen den Übermenschen lehren. Dies ist ungefähr das Princip jener seltsamen Missionsthätigkeit des Sokrates, die eine Wolke des schwärzesten Unwillens um ihn sammeln mußte, gerade weil niemand im Stande war, das Princip selbst gegen Sokrates anzugreifen: hätte man doch dazu nöthig gehabt, was man so gar nicht besaß, jene sokratische Überlegenheit in der Unterredungskunst, in der Dialektik. COPYRIGHT NOTICE: The content of this website, including text and images, is the property of The Nietzsche Channel. Sein berühmtester Satz ist „Gott ist tot!“ und der wird ebenso gern missverstanden wie sein Ausspruch „Du gehst zu Frauen? Vergessen wir auch jene Gehörs-Halluzinationen nicht, die als »Dämonion des Sokrates«, ins Religiöse interpretiert worden sind. Eine spätere Generation erkannte richtig, was Hülle und was Kern war: sie warf die erstere ab und es entpuppte sich als Frucht des künstlerischen Sokratismus das schauspielartige Schachspiel, das Intriguenstück. –. Für den zweiten Band hat Michael Holzinger sechs weitere bewegende Erzählungen des Sturm und Drang ausgewählt. Nietzsche Und Sokrates Philosophische Untersuchungen Zu Nietzsches Sokratesbild. Zum Schluß eine einzige Frage. Überall, wo noch die Autorität zur guten Sitte gehört, wo man nicht »begründet«, sondern befiehlt, ist der Dialektiker eine Art Hanswurst: man lacht über ihn, man nimmt ihn nicht ernst. Dies ist sehr verwunderlich. War Sokrates überhaupt ein Grieche? In der Art, wie er gegen ein ungeheures Übel, das er zu erkennen glaubte, ankämpfte, wie er als Einzelner sich mit der Wucht seines Talentes und Lebens demselben entgegenstemmt, offenbart sich noch einmal der Heldengeist der alten marathonischen Zeit. Jedermann kennt die sokratischen Sätze "Tugend ist Wissen: es wird nur gesündigt aus Unwissenheit. Was sich erst beweisen lassen muß, ist wenig wert. Sokrates ist auf dem Weg zu einem Trinkgelage bei Agathon. Die unbewußte Weisheit erhebt bei diesem ganz abnormen Menschen ihre Stimme, um dem Bewußten hindernd hier und da entgegenzutreten. Er leugnet die Weisheit gerade dort, wo ihr eigenstes Reich ist. Euripides aber als Chorlehrer wurde unaufhörlich gepriesen; ja man würde sich getödtet haben, um noch mehr von ihm zu lernen, wenn man nicht gewußt hätte, daß die tragischen Dichter ebenso todt seien als die Tragödie. Friedrich Nietzsche wurde am 15. Die Anthropologen unter den Kriminalisten sagen uns, daß der typische Verbrecher häßlich ist: monstrum in fronte, monstrum in animo. In Sokrates hat sich jene eine Seite des Hellenischen, jene apollinische Klarheit, ohne jede fremdartige Beimischung, verkörpert, wie ein reiner durchsichtiger Lichtstrahl erscheint er, als Vorbote und Herold der Wissenschaft, die ebenfalls in Griechenland geboren werden sollte. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Es ist bekannt, wie mißtrauisch zuerst Sokrates gegen den Ausspruch des Gottes war. Ein Ausländer, der sich auf Gesichter verstand, sagte, als er durch Athen kam, dem Sokrates ins Gesicht, er sei ein monstrum – er berge alle schlimmen Laster und Begierden in sich. Der Held der Tragödie erweist sich nicht, wie die neuere Aesthetik wähnt, im Kampfe gegen das Schicksal, ebensowenig leidet er, was er verdient. Man weiß, man sieht es selbst noch, wie häßlich er war. Ich habe zu verstehn gegeben, womit Sokrates abstoßen konnte: es bleibt um so mehr zu erklären, daß er faszinierte. Das Glück war ihm ebensowenig wie die Masse hold: und da für einen Tragödiendichter jener Zeit die Masse eben das Glück machte, so begreift man, warum er bei Lebzeiten so sehr spärlich nur die Ehre eines tragischen Sieges errang. Auch hier offenbart sich, wie Sokrates wirklich einer verkehrten und auf den Kopf gestellten Welt angehört. Der Tugendhafte ist der Glückliche." Der Spiegel, der früher nur die großen und kühnen Züge wiedergegeben hatte, wurde treuer und damit gemeiner. —, Man kennt die außerordentliche Verehrung, welche Euripides bei den Dichtern der neueren attischen Comödie genoß. Man fühlte, wie sich Aristophanes ausdrückt, eine so innig-heiße Sehnsucht nach dem Letzten der großen Todten, wie wenn jemanden ein plötzlicher starker Appetit nach Sauerkraut anwandelt. Die Häßlichkeit ist häufig genug der Ausdruck einer gekreuzten, durch Kreuzung gehemmten Entwicklung. – Und Sokrates verstand, daß alle Welt ihn nötig hatte – sein Mittel, seine Kur, seinen Personal-Kunstgriff der Selbst-Erhaltung... Überall waren die Instinkte in Anarchie; überall war man fünf Schritt weit vom Exzeß: das monstrum in animo war die allgemeine Gefahr. Das sokratische Bewußtsein und sein optimistischer Glaube an den nothwendigen Verband von Tugend und Wissen, von Glück und Tugend hat bei einer großen Anzahl der euripideischen Stücke die Wirkung gehabt, daß am Schlusse sich die Aussicht auf eine ganz behagliche Weiterexistenz, zumeist mit einer Heirath öffnet. Es sollte vor allem an dem neuen Kunstwerk nicht das auszusetzen sein, was nach der platonischen Auffassung der Grundmangel des alten war: es sollte nicht Nachahmung eines Scheinbildes sein d.h. nach dem gewöhnlichen Begriff: es sollte für den platonischen Dialog nichts Naturwirkliches geben, das nachgeahmt worden wäre. Abh., 7. Mit dem Tode des griechischen Musikdramas dagegen entstand eine ungeheure, überall tief empfundene Leere; man sagte sich, daß die Poesie selbst verloren gegangen sei, man schickte im Spott die verkümmerten abgemagerten Epigonen in den Hades, um sich dort von den Brosamen der vormaligen Meister zu nähren. Worauf weist das? Wo aber entdeckte Euripides den Verfall des Musikdramas? 6 The original manuscript, entitled Socrates und die Griechische Tragodie, has Kant und Nietzsche können uns bei der Beantwortung der Frage weiterhelfen. Eitel Narrheit ist es doch, auf gespreizte hohle Reden und abstraktes Spintisieren einen müßigen Fleiß zu wenden!". Das ihm eigenthümliche Element der Dialektik hat sich bereits lange Zeit vor Sokrates in das Musikdrama eingeschlichen und verheerend in dem schönen Körper gewirkt. Er hat wirklich einige prosaische Fabeln, die ihm bekannt waren, in Verse gebracht, doch glaube ich nicht, daß er mit diesen metrischen Übungen die Musen versöhnt hat. Dabei ist es sehr bedeutsam, daß dieser Prozeß in der Komödie zu Ende kommt, während er doch in der Tragödie begann. Er faszinierte als dieser extreme Fall – seine furchteinflößende Häßlichkeit sprach ihn für jedes Auge aus: er faszinierte, wie sich von selbst versteht, noch stärker als Antwort, als Lösung, als Anschein der Kur dieses Falls. Die absichtlich derbe und rücksichtslose Verurtheilung der Kunst hat bei Plato etwas Pathologisches: er, der sich zu jener Anschauung nur im Wüthen gegen das eigne Fleisch erhoben hat, er der seine tief künstlerische Natur zu Gunsten des Sokratismus mit Füßen getreten hat, offenbart in der Herbigkeit jener Urtheile, daß die tiefste Wunde seines Wesens noch nicht vernarbt ist. Vergiss die Peitsche nicht!“. Man muß[951] durchaus seine Finger danach ausstrecken und den Versuch machen, diese erstaunliche finesse zu fassen, daß der Wert des Lebens nicht abgeschätzt werden kann. Sokrates hat sich aber bis zu seinen letzten Tagen mit der Meinung beruhigt, seine Philosophie sei die höchste Musik. Man warnte die Jugend vor ihnen. Das Dasein ist in ihr etwas sehr Schreckliches, der Mensch etwas sehr Thörichtes. Erstpostum machten ihn seine Schriften als Philosophen weltberühmt. Februar 1870. Vor Sokrates lehnte man in der guten Gesellschaft die dialektischen Manieren ab: sie galten als schlechte Manieren, sie stellten bloß.

östrogenmangel Symptome Frau, 100x Berlin Kieze, Cant Help Falling In Love Uke Tab, Vulpius Klinik Schmerztherapie, Immobilienscout24 Lübeck Travemünde, Was Sagt Die Bibel über Buddhismus, Gerichte Mit Rosenkohl Und Fleisch, Woher Kommt Das Eis,